Instagram und ich

Ich oute mich. Seit mehr als einem Jahr mache ich mindestens ein Instagram-Foto pro Tag. Normale Menschen (und das gilt auch für die normalen Menschen in meiner Umgebung) neigen an dieser Stelle zu einem gewissen Unverständnis, gern eloquent ausgedrückt: „Häh?“ Oder: „Blödsinn.“

Als ich damit anfing, hatte ich gar keine besondere Vorstellung davon, wie lange ich durchhalten wollte. Die Idee entstand aus einer gewissen Unzufriedenheit – einerseits fotografiere ich gerne, andererseits musst ich feststellen, dass ich kaum noch dazu kam. Und das war doof. Da ich mein Telefon eigentlich immer dabei habe, kamen die weitaus meisten Fotos eben aus genau diesem Telefon. Und mal ehrlich, sooo schlecht ist die Qualität dieser Tage nicht mehr. Noch ein Grund: Zwänge und Beschränkungen können die Kreativität beflügeln. Dazu kam, dass ungefähr zu der Zeit Instagram endlich für Android auf den Markt kam, was meinen Spieltrieb schon an sich beflügelte.

Also habe ich mir Zwänge und Beschränkungen auferlegt. Den Zwang, jeden Tag mindestens ein Foto zu machen. Die Beschränkung, das nur mit dem Telefon zu tun und auch nur im Telefon zu bearbeiten. Die Beschränkung, für die Veröffentlichung Instagram zu nutzen und damit auch auf das Quadrat als Bildformat festgelegt zu sein.

[instapress userid=“viertelstunde“ piccount=“12″ size=“90″ effect=“0″]

Das Jahr ist inzwischen locker rum, aber ich möchte noch nicht aufhören. Ich hätte vorher nie geglaubt, dass ich so lange durchhalte – aber ich habe durchgehalten. Punkt. Und zwar egal, ob zu Hause oder unterwegs, ob Arbeitswut oder Urlaub, ob krank oder gesund, ob Beerdigung oder Wellness-Ausflug. Erstaunlich.

Die Ergebnisse sind, naja, durchwachsen. Manche Fotos sind gut und wundern mich selbst. Manche Fotos sind weniger gut, und natürlich sind auch welche dabei von der Sorte „ich muss halt noch irgendwas fotografieren und verdammich jetzt isses schon dunkel draußen“.

 

Die Rückmeldungen (Likes, Kommentare) der Community passen oft, aber definitiv nicht immer zu meiner eigenen Einschätzung. Das Bild mit den derzeit meisten Likes (und so viele sind es denn auch gar nicht) ist dieses hier:

Das finde ich jetzt ganz ok, aber meine kreative Eigenleistung daran auch nicht sooo überwältigend, ehrlich gesagt. Und Bilder, die mir gut gefallen, schneiden in der Community schon mal eher mittelmäßig ab:

(Nein, ist nicht schlimm. Ich verkrafte das.)

Die Community ist ja manchmal so vorhersehbar. Sonnenuntergänge gehen immer. Alternativ täten es auch Sonnenaufgänge, die liegen zeitlich aber meistens ungünstiger. Das langweilt mich aber zunehmend, sowohl bei mir als auch bei anderen. Manchmal passiert mir trotzdem noch der eine oder andere Sonnenuntergang.

Hat sich meine Art zu fotografieren geändert? Ja, ich denke schon. Früher bin ich durch die Gegend gegangen und habe gelegentlich gedacht, ach guck, das wäre auch mal ein Motiv. Mittlerweile folge ich viel häufiger meinem Foto-Impuls und gehe notfalls auch mal ein paar Meter zurück. Weil: wer weiß, ob ich heute noch was Besseres finde, und es wird ja schon allmählich dunkel…

Ich glaube auch, dass sich der Blick schärft und die Motivklingel wählerischer wird. Also nicht schon wieder Sonnenuntergang, praktisch kein Essen (wenige Ausnahmen bestätigen die Regel), wenig Blümchen, keine Selfies von schräg oben. Eigentlich keine Katzen. (Gut, das mag auch daran liegen, dass mir die Handkatze für den täglichen Umgang fehlt.)

Filter? Oh ja. Hemmungslos, wenn ich denn das Gefühl habe, dass das Foto irgendwie besser oder passender wird. Manchmal probiere ich viele Filter durch und bleibe dann doch bei #nofilter. Wenn ich Zeit habe, bearbeite ich vorher auch schon mal per Snapseed – was insbesondere dann wichtig ist, wenn ich das Fon irgendwie schräg in die Welt gehalten habe und den Horizont o.ä. geraderücken muss.

Was nervt: Spam-Accounts und –Kommentare bei Instagram. „100 free likes“, „start this month with 12000 followers“, „get real likes and followers“ – waaaah. Ich hab ja schon manchmal keine Lust mehr, meine Fotos vernünftig zu taggen, weil ich sonst sowieso nur wieder zahllose Accounts spam-melden und blocken muss. Das ist nicht schön. Instagram, you hear me?

Trotzdem ist bislang nicht abzusehen, wo das Ganze enden wird. Ich mach dann erst mal weiter mit den täglichen Instagrams. Ich merke allerdings auch, dass sich meine „richtigen“ Kameras wieder mehr an mich ranschmeißen und mit Bildqualität und mit geradezu unanständig vielen Einstellmöglichkeit und Formaten winken. Wir werden sehen, was daraus wird.

 

Flattr this!

This entry was posted in Instagram and tagged , . Bookmark the permalink.

One Response to Instagram und ich

  1. Pingback: Eisern | Viertelstunde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.