Schluchtensteig, Etappe 2: von Blumberg nach Schattenmühle (naja: Reiselfingen)

Blumberg am Morgen; der Wetterbericht verheißt nichts Gutes, versagt damit aber zum Glück auf voller Linie. Nach immerhin gut 500m packen wir die Regenjacken ein und auf der ganzen Etappe nicht wieder aus.

Kurz hinter Blumberg soll die schwierigste Stelle auf dem ganzen Schluchtensteig sein. Die berüchtigten Schleifenbachfälle. Von einen Leiter wird berichtet, 8 Meter in die Tiefe, heißt es. Großes Zähneklappern sei angesagt, raunt man. Tatsächlich handelt es sich dann um eine gut gesicherte Treppe mit Gitterroststufen. Eine zwar steile Treppe, aber definitiv eine Treppe. Wir meistern diesen Gefahrenpunkt also souverän.

Derartig vorgespannt erwarten wir weitere, ähnlich dramatische Höhepunkte, aber erstmal schlängelt sich der Weg über gar liebliche Wiesen und durch gar goldige Dörfchen, gesäumt von Gedichten auf eigens aufgestellten Holztafeln. Der Schwarzwälder an sich scheint eine lyrische Ader zu haben, jedenfalls das Exemplar rund um Achdorf und Aselfingen. Und stellt sich schon mal einen Esel in den Stall.

Dann endlich: die Wutachmühle, der Einstieg zur wirklich wilden Wutachschlucht. (Der Wutachmüller übrigens fährt auf einem Schienenkran hin und her und sortiert dabei Holzstämme, als ob es Mikadostäbchen wären.) Die Wutachschlucht ist dann schon ziemlich doll. Mal an der Wutach, mal weiter oben in der Felswand, mal mit Matsch, mal auf Stein, mal breit, mal schmal. Doll. Und davon viel.

Irgendwann plötzlich taucht eine verfallene Kapelle auf, sonst nix rundherum. Die Kapelle des ehemaligen Bad Boll kann man retten, in dem man für 1,50€ einen Tubenentleerer kauft. Das habe ich dann mal getan. An mir liegt es also nicht, wenn aus Bad Boll nichts mehr wird.

@deltasig
deltasig Habe zur Rettung der Kapelle von Bad Boll beigetragen und einen Tubenentleerer gekauft. http://bit.ly/15R15fa

Eigentlich geht die Etappe bis Schattenmühle, aber unsere Unterkunft ist in Reiselfingen. Daher müssen wir dann irgendwann rechts abbiegen und uns entlang eines Kreuzwegs (wie passend) aus der Schlucht rausarbeiten.

Reiselfingen ist insofern bemerkenswert, als es fast kein Mobilfunknetz hat. In der Schlucht selbst hätte man das ja auch nicht erwartet, aber oben auf der freien Fläche, wo Menschen leben…? Nur durch einen kleinen Spaziergang durch’s Dorf (als wären wir nicht schon genug auf den Beinen gewesen) lässt sich ein kleines Stückchen Edge auspendeln.

@deltasig
deltasig #Schluchtensteig Etappe 2 geschafft. Es ging durch die wilde Wutachschlucht (ohne Netz) und endet in einem Ort, in dem Edge Glückssache ist.

Meine mühsam tröpfelnde Timeline brummt derweil vor Nervosität, weil irgendein Unternehmen auf irgendeinem anderen Kontinent irgendwelche Neuerungen vorstellt.

@deltasig
deltasig In einer Parallelwelt ist gerade irgendwas mit Apple. In meiner Welt ist Regen, Sonne, Landschaft und flackerndes Edge. #schluchtensteig

Schluchtensteig-Symbolbild des Tages:

PS: Braucht jemand zufällig einen grinsenden freundlich lächelnden Tubenentleerer?

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