Schluchtensteig, Etappe 3: von Schattenmühle (hier: Reiselfingen) nach Oberfischbach (hier: Schluchsee)

Zwei Wandertage hintereinander machen wir sonst eher nicht, dementsprechend fühlen wir uns morgens. Aber auf solche kleinliche Befindlichkeiten können wir natürlich keine Rücksicht nehmen, wir haben schließlich eine Mission.

@deltasig
deltasig Mein Körper teilt mir mit, dass er heute auf das Sofa möchte. Ich teile meinem Körper mit, dass das keine Option ist. #schluchtensteig

Von Reiselfingen aus müssen wir als erstes den Schluchtensteig wiederfinden. Natürlich könnten wir den Kreuzweg von gestern wieder runtergehen, aber das wäre ja ein bisschen langweilig. Also nehmen wir einen nicht ausgeschilderten Fahrweg, der laut Karte aber auf halber Höhe den Schluchtensteig treffen müsste, offenbar die alte Straße von Reiselfingen nach Schattenmühle. Ist ja auch schön hier.

Naja, in der Realität hat sich der Schluchtensteig offenbar nicht an die Karte gehalten, so dass wir ihn erst unten an der Schattenmühle wieder erwischen – um dann sofort wieder den Aufstieg aus der Schlucht raus zu machen. Man hat ja sonst keine Steigungen. Oben angekommen dürfen wir einmal kurz über die Felder blinzeln…

… um dann sofort wieder abzutauchen in den Urwald. Der gehört einem Fürstenberg-Fürsten und ist nach Sturm Lothar einfach so geblieben, was wirklich ganz urig ist. Und gefährlich bei Sauwetter, sagt die Beschilderung, aber das ist uns zum Glück egal, mangels Sauwetter.

Unten dann wieder schön an der Wutach entlang, es ist aber nicht mehr so schluchtig wie gestern. Dafür ist der Weg gelegentlich wieder mal sehr matschig. Wir kommen am Räuberschlössle vorbei, wo sich früher jede Menge Gesindel rumtrieb. Und jetzt wir, welch Niedergang.

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Fast hätten wir den schmalen Abzweig zum Rechenfelsen verpasst, was orientierungsmäßig nicht schlimm gewesen wäre, von den Attraktionen her aber schon. Es ist ein kleiner, etwas anstrengender Pfad in die Haslachschlucht, und der Rechenfelsen selbst ist eine Engstelle, wo die andere Schluchtseite nur ein paar Meter entfernt ist. Darunter und dazwischen die Haslach. (Die aufmerksame Leserin merkt an dieser Stelle, dass wir die Wutach inzwischen verlassen haben.)

Das ist alles sehr schön, aber irgendwie haben wir das Gefühl, dass wir heute nicht recht vorankommen, zumal wir ja auch ein paar Extra-Kilometer wegen Reiselfingen in den Beinen haben. Unser Gefühl wird vom GPS-Dings bestätigt.

Allmählich nähern wir uns aber doch Lenzkirch, und der Schluchtensteig führt quasi im Slalom um einen Fahrradweg rum, der wohl früher mal eine Bahnstrecke war. Wer also keinen Nerv auf kleine Pfade, Steine und Slalom hat, der kann für den Preis einer langweiligen Streckenführung auch abkürzen.

Aber auch ohne Abkürzung geht es irgendwann auf einen Asphaltweg (den die Füße irgendwie nicht so mögen) und dann durch’s Lenzkircher Industriegebiet. Es ist schön, dass Atmos Medizintechnik so große Gebäude hat, wirklich. Und so lange. Endlich dann Downtown Lenzkirch angekommen, wir machen Rast vor dem Rathaus und bestaunen den Trubel. Autos! Fußgänger! Mehrere auf einmal! Wir sehen andere Wandergruppen wahlweise die Apotheke oder die lokale Gastronomie besuchen.

Die Aussicht auf den großen, finalen Anstieg heute treibt uns weiter. Traubenzucker to the rescue! In der Tat wird’s nochmal anstrengend, insbesondere weil jetzt auch noch die Sonne rauskommt. Die Strecke geht gleichmäßig bergauf soweit man sehen kann. Und danach kommt eine Kurve und sie geht gleichmäßig bergauf weiter. Und noch weiter. Schließlich und endlich sind wir dann aber doch oben angekommen. Der Weg geht nochmal ordentlich bergab, sozusagen zum Ausgleich.

Die Etappe endet in Oberfischbach, unsere Unterkunft ist in Schluchsee, der Bus kommt erst in 1,5 Stunden. Wir sind faul und nehmen den Transfer-Service des Hotels in Anspruch.

Abends wirft sich der Schluchsee extra für uns in nordisches Licht.

Schluchtensteig-Symbolbild des Tages:

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Pro-Tipp: einfach mitten durch den Modder gehen, davon wird man letztlich auch nicht dreckiger als sonst.

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